Schmerzfrei leben, ohne Rückenoperation?, 18.10.2013

Zur Behandlung starker Kreuz- oder Nackenschmerzen, auch mit Ausstrahlung in das Bein oder den Arm ist in den meisten Fällen eine Operation nicht nötig, ja sogar schädlich.

 Dr. Chaimowicz beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Behandlung von Rückenschmerzen ohne Operation, betreibt in Kössen eine orthopädische Ordination, ist an der Kursana Privatklinik in Wörgl tätig und übernimmt ab Ende des Jahres auch die ärztliche Leitung der neuen Rehaklinik in Thiersee.

Was halten Sie von der These wonach 80% aller Rückenoperationen überflüssig seien?

Dr. med. Max Chaimowicz: Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen, auch wenn es natürlich Situationen gibt, bei denen eine Operation unumgänglich ist. Die Wirbelsäule verändert sich im Lauf des Lebens und zeigt uns auf Röntgen-Bildern oder im Kernspin eine Vielzahl an Veränderungen, die meist ohne Bedeutung sind und keine Operation erfordern. Trotzdem operieren wir in Deutschland und Österreich 4x so viel am Rücken wie in Frankreich und 6x so viel wie in England.
 

Was ist denn eigentlich für den Rückenschmerz verantwortlich, ist es der berühmte eingeklemmte Nerv?

Chaimowicz: Nein, wir wissen schon lange, dass es große Bandscheibenvorfälle gibt, die auf einen Nerv drücken und trotzdem keine Schmerzen verursachen. Ganz kleine Vorfälle, die den Nerv nicht bedrängen, schmerzen manchmal sehr stark. Der Schmerz entsteht durch eine Entzündung und diese gilt es zu bekämpfen.
 

Sollte man deshalb mit Bandscheibenoperationen zurückhaltend umgehen?

Chaimowicz: Ja, im Gegensatz zu einer Maschine kann eine „kaputte“ Wirbelsäule gut funktionieren. Diese Tatsache übersieht man, wenn man auf Schichtaufnahmen einen Vorfall entdeckt und diesen dann „reparieren“ möchte. Die operative Verbesserung der Mechanik beseitigt nicht das bleibende Problem der Abnützung und oft auch nicht die bestehenden Rückenschmerzen. Durch das operative Eingreifen wird die Stabilität der Wirbelsäule u.U. zusätzlich geschwächt und nicht selten durch Narbenbildung ein weiteres Problem geschaffen. Dies erklärt, warum so viele operierte Patienten nicht schmerzfrei werden.
 

Welche Möglichkeiten haben Sie denn mit der interventionellen Schmerztherapie?

Chaimowicz: Durch die zielgenaue Verabreichung abschwellender und entzündungshemmender Medikamente unter Röntgenkontrolle an die Wurzel des Übels erreicht man eine hohe Wirksamkeit in etwa 80% der Fälle. Bei Bedarf kann man auch schmerzverursachende Nervenästchen veröden oder mit einem Katheter schonend im Wirbelkanal arbeiten. Allerdings muss dem Patienten klar sein, dass er auch mit diesen Methoden keinen neuen Rücken erhält oder bis ans Lebensende geheilt wird. Bei erneutem Auftreten von Beschwerden kann die Behandlung aber jederzeit wiederholt werden.
 

Ist so eine Behandlung nicht sehr schmerzhaft und gefährlich?

Chaimowicz: Nein, gar nicht. Es wird örtlich betäubt und bei Bedarf ein Mittel für einen Dämmerschlaf verabreicht. Nennenswerte Schmerzen sollten bei entsprechender Erfahrung des Arztes nicht auftreten. Auch die Komplikationsgefahr ist in geübter Hand sehr gering.
 

Abschließend noch eine Frage zu den Kosten der Schmerztherapie, was können Sie uns da sagen?

Chaimowicz: Kassenversicherte können die Rechnung Ihrer Versicherung einreichen und erhalten den Kassenanteil erstattet. Eine evtl. vorhandene Zusatzversicherung deckt die Differenz ab.
 

Sprechstunde & Kontakt

Vereinbaren Sie einen Termin für die Wirbelsäulensprechstunde, jeden Freitag in der Kursana Privatklinik in Wörgl unter der Telefonnummer: +43 5375 20004.

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